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Lehrer Erhebt Euch!
Ein Überlebens-Kit bis die Schule wieder anfängt
Dr. Roman Braun & Dr. Renate Wustinger
„Lehrer erhebt euch!“ von Renate Wustinger und Roman Braun ist ein Plädoyer für ein neues Selbstbewusstsein von Pädagogen. Angesichts eines erstarrten Schulsystems bietet das Buch ein „Überlebens-Kit“ mit psychologischen Werkzeugen (z. B. Drama-Dreieck, Inneres Team, Rangdynamik). Es zeigt, wie Lehrer durch systemische Sichtweisen, Rollenklarheit und lösungsorientiertes Coaching Konflikte entschärfen, Burnout vorbeugen und trotz widriger Umstände wirksame Beziehungsarbeit leisten können.

Die zentralen Thesen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • System ist das Problem, nicht die Lehrer: Das Schulsystem wird als erstarrt, ineffizient und von kontraproduktivem Aktionismus geprägt beschrieben. Ständige, aber oberflächliche „Reförmchen“ schaffen eine kafkaeske Hektik, die echte Weiterentwicklung verhindert, während die Grundstrukturen veraltet bleiben. Dieses „Reformkarussell“ dient oft eher politischen und wirtschaftlichen Interessen als den Bedürfnissen der Kinder.
  • Die Illusion der Messbarkeit: Instrumente wie PISA werden scharf kritisiert. Sie reduzieren Bildung auf messbare, kognitive Leistungen, erzeugen enormen Druck und ignorieren wesentliche Kompetenzen wie Kreativität, soziales Gewissen und Selbstwertgefühl. Der Fokus auf Ausbildung und „Skills“ für den Arbeitsmarkt verdrängt den eigentlichen Bildungsauftrag im Sinne Humboldts: die Reifung der Persönlichkeit.
  • Lehrer als Schlüssel, aber nicht als Sündenböcke: Die Lehrperson ist der entscheidende Faktor für gelingendes Lernen. Gute Lehrer sind demnach „Darstellungs- und Vermittlungskünstler“ mit Charisma, die Kinder lieben und denen man gerne zuhört. Gleichzeitig benötigen sie professionelles Handwerk, Klarheit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion über die eigene Wirkung (Hattie). Das System hindert sie jedoch oft daran, diese Potenziale zu entfalten, und bürdet ihnen die Verantwortung für systemische Mängel auf.
  • Der Verlust des professionellen Selbstbewusstseins: Viele Lehrkräfte haben ihre professionelle Würde und ihr Selbstwertgefühl verloren. Sie agieren reaktiv, harmoniesüchtig und abhängig von der Zustimmung von außen (Eltern, Vorgesetzte, Medien). Das Buch fordert Lehrer auf, sich zu „erheben“, sich als Experten zu begreifen, für ihre pädagogischen Entscheidungen einzustehen und unbedürftig gegenüber der Zuneigung der Schüler zu sein.
  • Notwendigkeit analytischer Werkzeuge („Brillen“): Um im Schulalltag handlungsfähig zu bleiben, werden verschiedene Analysemodelle vorgestellt. Diese „Brillen“ – wie die Graves-Welten zur Motivation, die Systemtheorie, das Dramadreieck zur Deeskalation oder die Rangdynamik zur Gruppenanalyse – ermöglichen es, komplexe soziale Prozesse zu verstehen und professioneller darauf zu reagieren, anstatt persönlich und emotional verstrickt zu werden.
  • Der Aufruf an die Eltern: Eltern werden ebenfalls aufgefordert, sich zu „erheben“. Sie sollen nicht nur die Interessen ihres eigenen Kindes verfolgen, sondern ihre gesellschaftliche und politische Macht nutzen, um grundlegende Systemveränderungen zu fordern. Da Lehrer als Gruppe politisch wenig Gehör finden, liegt die Verantwortung für den notwendigen Druck maßgeblich bei der Elternschaft.

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